Serie-A-Check: 8-Minuten-Mann trifft FCB-Flop

TURIN, ITALY – DECEMBER 11: Andrea Belotti of FC Torino celebrates after scoring the opening goal during the Serie A match between FC Torino and Juventus FC at Stadio Olimpico di Torino on December 11, 2016 in Turin, Italy. (Photo by Valerio Pennicino/Getty Images)

Ein 40.000-Einwohner Dorf, das einen Neuanfang braucht. Ein Stürmer, der sein Arbeitspensum in acht Minuten absolviert und ein alter Bekannter aus der Bundesliga. Heute im sport.de-Ligencheck: die italienische Serie A.

In Italiens oberster Spielklasse herrschen „deutsche Verhältnisse“. Seit der Spielzeit 2011/12 liest sich die Tabellenspitze immerzu gleich. Bayerns italienisches Pendant: Juventus Turin. Die alte Dame ist auch 2017 auf dem besten Weg die Meisterschaft einzuheimsen – es wäre der sechste Ligatitel in Folge.

Neun Spieltage vor dem Ende steht eine Vorentscheidung zwar noch aus, mit acht Punkten Rückstand ist der AS Rom allerdings abgeschlagen. Auch das Rennen um die Plätze zwei und drei, immerhin qualifizierend für die Champions League, tragen die üblichen Verdächtigen unter sich aus: AS Rom (65 Punkte), SSC Neapel (63), Lazio Rom (57) sowie Inter Mailand (55).

Ähnlich deutlich sieht es am unteren Tabellenende aus. Schlusslicht Delfino Pescara konnte in 29 Spielen nur mickrige zwölf Punkte einfahren – von den letzten sieben Begegnungen gewannen die Hafenstädter nur eine. Nur unwesentlich besser sieht es beim FC Crotone (14 Punkte) und US Palermo (15) aus. Auf dem 17. Platz hat der FC Empoli mit 22 Zählern immerhin schon sieben Punkte Vorsprung. Den Tifosi droht ein maues Saisonfinale.

Die Überflieger:

Atalanta Bergamo. In der Saison 2015/16 stand der Klub zwischenzeitlich auf dem 15. Platz, versank schlussendlich in den mittleren Niederungen der Tabelle. Unter dem neuen Trainer Gian Piero Gasperini läuft es aber wieder bei Atalanta.

Mittlerweile haben sich die Italiener sogar in den Dunstkreis der internationalen Plätze gespielt. Derzeit auf Rang sechs, punktgleich mit Inter Mailand auf dem fünften Platz, ist die Europa League in greifbarer Nähe.

Mittelfeldtalent Franck Kessiè spielt bei dem sportlichen Aufstieg der Lombarden eine große Rolle: der 20-Jährige wird als „neuer Yaya Touré“ gehandelt und war Ende letzten Jahres unter anderem bei Schalke 04 im Gespräch. Zum Glück für Atalanta entschied sich der Youngster gegen einen Wechsel und blieb in Italien.

Die Tiefflieger:

US Sassuolo Calcio. Die kleinste Stadt, die jemals in die Serie A aufstieg, als Tiefflieger zu bewerten, mag hart erscheinen, lässt das Fußballmärchen aus Emilien doch das Herz eines jeden Fans höher schlagen.

Dennoch, die Mannschaft von Trainer Eusebio Di Francesco spielt eine schwache Saison. Nach dem sechsten Platz und lediglich drei Punkten Rückstand auf einen Europa-League-Platz im letzten Jahr, ist der aktuelle 15. Rang eine Enttäuschung. Zumal Talente wie Domenico Berardi gehalten werden konnten – trotz intensiver Avancen von europäischen Top-Klubs wie Manchester United.

Licht am Ende des Tunnels ist aber erkennbar: Mit dem Abstieg wird Sassuolo nichts zu tun haben. 16 Punkte Vorsprung haben die Herren aus Norditalien auf den 18. US Palermo. In der kommenden Saison darf das 40.000-Einwohner-Städtchen wieder angreifen.

Der Aufsteiger:

Andrea Belotti. Den Namen sollte man in Zukunft auf dem Zettel haben. Der 23-Jährige schießt in der Serie A derzeit alles kurz und klein. In 26 Begegnungen für den FC Turin netzte Belotti satte 22-mal, führt die Torschützenliste an.

Bisheriger Höhepunkt: Im letzten Heimspiel gegen seinen Ex-Klub Palermo drehte Belotti ein 0:1 der „Granata“ im Alleingang. Mit einem lupenreinen Hattrick innerhalb von gerade einmal acht Minuten.

Die Verantwortlichen um Torino-Präsident Urbano Cairo haben den Wert ihres Juwels längst begriffen: „Er ist jetzt 150 Millionen Euro wert“, tönte der Klubboss zuletzt. „Gute“ Nachrichten für interessierte Vereine: Die Ausstiegsklausel beläuft sich auf schlappe 100 Millionen Euro – also deutlich unter dem Wert, den Cairo so bejubelte.

Der Absteiger:

Medhi Benatia. Beim FC Bayern wurde der Marokkaner nie wirklich glücklich, konnte sich unter Pep Guardiola nicht für einen Stammplatz empfehlen. Im Sommer folgte die Flucht zu Juve. Doch auch dort nahm die Karriere des 29-Jährigen bislang keine Fahrt auf.

27 Mal stand der Innenverteidiger im Kader, zum Einsatz kam er allerdings nur in 14 Partien. Gerade einmal 911 Minuten stand Benatia bislang auf dem Rasen. Sieht man vom 4:1-Sieg gegen US Palermo ab, absolvierte der Rechtsfuß zuletzt im November (!) ein Spiel über die vollen 90 Minuten.

Sein vorläufiger Rücktritt aus der Nationalmannschaft zeugt zwar von charakterlicher Größe, bescheinigt aber auch die sportliche Austauschbarkeit des Marokkaners. Im Sommer endet das Leihgeschäft. Ob die Verantwortlichen in Turin eine mögliche Kaufoption ziehen, ist fraglich. Auch die Bayern werden nicht heiß sein auf eine Rückkehr. Wohin die Reise geht? Unklar.

Simon Lürwer

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