Buffon: Die Serie A kann wieder die stärkste Liga werden

Juventus Turins Torhüter Gianluigi Buffon hat dem Fußball in der Serie A kein gutes Zeugnis ausgestellt. Allerdings sieht der Routinier eine positive Tendenz und hält es für möglich, dass die einstige Eliteliga Europas auf Sicht wieder auf den Thron zurückkehrt.

Im Gespräch mit dem kicker kritisierte der 39-Jährige unter anderem, dass die Spitzenvereine AS Rom und Inter Mailand mittlerweile ausländischen Investoren gehören. Zudem befindet sich Milan vor der Übernahme durch ein Konsortium aus China. „Armes Italien! Eine Niederlage für den Calcio und unsere Traditionen“, sagte er: „Ein deutliches Spiegelbild der momentan tristen wirtschaftlichen Situation unseres Landes. Es ist der Beweis, dass liquide Unternehmer – und die gibt es schließlich in Italien – nicht in einen Aufschwung des Calcio investieren möchten. Da sie sich im Fußball nicht auskennen, fürchten sie, dort zu verbluten. Natürlich investierst du zunächst mit Verlusten und bist ein Hasardeur, verlierst freilich auch langfristig. Ein intelligentes Projekt hingegen trägt dir sicher auch im Fußball irgendwann Profit ein.“

Für den Abschwung des Calcio in den vergangenen Jahren hat Buffon eine Erklärung: Die Klubs hätten ihre finanzielle Vormachtstellung aus den 1990er und den frühen 2000er Jahren nicht halten können.

„Der Fußball in Italien war finanziell gedopt“

Buffon meinte: „Zu jener Zeit war der Fußball in Italien finanziell gedopt. Das soll heißen, wir lebten entschieden über die Verhältnisse und es wurden Summen verpulvert, die die wir uns im Grunde gar nicht erlauben konnten. Doch in Italien wird die Euphorie für den Fußball niemals sterben. Ich glaube fest an Zyklen. Wir sind wieder auf dem Weg nach oben, und eventuell wird die Serie A in vier, fünf Jahren für eine Weile wieder die stärkste Liga Europas.“

Mit 39 Jahren gehört der italienische Nationaltorwart noch immer zu den besten Spielern auf seiner Position überhaupt. Dementsprechend hoch ist auch stets die Erwartungshaltung. Auch bei ihm selbst: „Ich bin ja selbst mein schärfster Kritiker. Unterläuft mir ein Fehler, stehe ich unter Schock, weil ich es nicht gewohnt bin. Dann brauche ich oft zehn Tage, um meine Balance wiederzufinden. Ich beneide ganz ehrlich jene Spieler, die häufiger patzen, denn für sie ist ein Fehler ja kein wirkliches Schockerlebnis.“

Buffon spricht über seine Depression

Während „Gigi“ längst Kultstatus genießt und zu den beliebtesten Spielern überhaupt gehört, durchlebte er 2003 eine schwierige Phase. Damals setzte ihm eine Depression zu.

Über jene Zeit sagte er: „Viele Menschen leiden unter einer Depression, und dass dich materielle Dinge davor retten, ist Blödsinn. Ich entdeckte mich fragiler, als ich glaubte, und bin der Depression schließlich auf meine eigene, bisweilen verrückte Art begegnet, das Leben anzugehen. Ich suchte nach anderen Impulsen als Fußball für meinen Kopf und schämte mich nebenher nicht, offen darüber zu reden. Ich denke, das Wichtigste war, nie Medikamente zu nehmen. So blieb ich bewusster Herr meines Schicksals, ohne in Abhängigkeit von einer Medizin zu geraten.“

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